Was ist ... Qi?

Was ist…

… Qi?

Wer sich mit der chinesischen Medizin befasst, wird unweigerlich mit dem Ausdruck „Qi“ konfrontiert. Doch was ist Qi eigentlich?

Das chinesische Schriftzeichen von Qi (siehe oben) zeigt, dass es sich um etwas gleichzeitig Materielles als auch Immaterielles handelt. Es setzt sich aus den zwei unten abgebildeten Wörtern zusammen.

Dies zeigt deutlich, dass Qi einerseits so dünn und immateriell wie Dunst und andererseits so dicht und substanzhaft wie Reis sein kann.

Das Wort „Qi“ zu übersetzen ist sehr schwer, da es eine veränderliche Natur hat, durch die Qi verschiedene Gestalten annehmen und je nach Situation Verschiedenes darstellen kann. Nach der chinesischen Medizin gibt es viele verschiedene Arten von Qi, die den Körper und den Geist betreffen, vom feinen und verdünnten zum dichten und groben Qi. Alle verschiedene Qi Arten sind aber letzten Endes ein einziges Qi, das sich lediglich in verschiedenen Formen, in den vitalen Substanzen, darstellt. In ihrer Gesamtheit stellen sie die altchinesische Sicht von Körper und Geist dar.

Die vitalen Substanzen sind:

  • Qi
  • Blut (xue)
  • Essenz (jing)
  • Körperflüssigkeiten (jinye)
  • Geist (shen)

Die Begriffsdefinition von Qi wird auch dadurch erschwert, dass alle oben genannten Substanzen Formen von Qi sind und dennoch Qi wieder als eigene Substanz beschrieben wird. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter Qi meist die vitale Substanz Qi gemeint. Doch um ein genaues Verständnis der TCM zu haben, muss man immer berücksichtigen, dass alle vitalen Substanzen Formen von Qi sind.

Nun wollen wir uns diese vitalen Substanzen genauer ansehen. Da wie oben erwähnt Qi sich nicht nur in verschiedene Formen, sondern auch in unterschiedlicher Funktion von ein und derselben Form präsentiert, werden wir zu diesen Substanzen auch eine oder mehrere Funktionen ansehen.

Vitale Substanz: Essenz

Der Begriff „Essenz“ kommt in der chinesischen Medizin in drei verschiedenen Kontexten mit leichten Bedeutungsunterschieden vor:

  • Vor-Himmels-Essenz oder vorgeburtliche
  • Nach-Himmels-Essenz
  • Nieren-Essenz

Vor-Himmels-Essenz oder vorgeburtliche Essenz

Bei der Empfängnis findet eine Mischung der sexuellen Energien von Mann und Frau statt, um die Vor-Himmels-Essenz zu bilden. Diese nährt den Embryo und Fötus. Sie bestimmt die konstitutionelle Veranlagung, die Stärke und Vitalität eines Menschen. Die beste Methode um die Vor-Himmels-Essenz positiv zu beeinflussen, ist das Streben nach Gleichgewicht in den Lebensaktivitäten.

Nach-Himmels-Essenz

Dies ist jene Essenz, die von Magen und Milz nach der Geburt aus der Nahrung und den Getränken verfeinert und extrahiert wird.

Nieren-Essenz

Sie stammt sowohl von der Vor-als auch der Nach-Himmels-Essenz. Die Nieren-Essenz bestimmt Wachstum, Fortpflanzung, Entwicklung, sexuelle Reifung, Empfängnis, Schwangerschaft, Menopause und den Alterungsprozess.

Es folgt nun ein Beispiel für die Funktion der Essenz:

Funktion der Essenz: Essenz produziert Mark

In der chinesischen Medizin wird „Mark“ als Gesamtheit von Knochenmark, Rückenmark und Gehirn verstanden und wird von der Essenz produziert. Wenn also die Nieren-Essenz schwach ist, mangelt es dem Gehirn an Nahrung und man kann zB an Konzentrations- und Gedächtnisschwäche leiden.

Vitale Substanz: Qi

In der chinesischen Medizin wird der Begriff „Qi“ hauptsächlich in zweierlei Hinsicht verwendet:

  • Es bezeichnet eine verfeinerte Energie, die von den inneren Organen erzeugt wird und die Funktion hat, den Körper und Geist zu nähren.
  • Es bezeichnet die funktionelle Aktivität der inneren Organe.

Um beide Punkte zu erfüllen, muss die vitale Substanz Qi verschiedene Formen annehmen. Zwei Beispiele für Qi-Formen wollen wir nun besprechen:

Ursprungs-Qi (yuanqi)

Diese Art von Qi steht in enger Beziehung zur Essenz. Es ist nichts anderes als Essenz in Form von Qi. Es ist eine dynamische und verfeinerte Form von Essenz, die ihren Ursprung in der Niere hat. Das Ursprungs-Qi hängt wie die Essenz von der Ernährung ab.

Das Ursprungs-Qi kann als eine dynamische, treibende Kraft angesehen werden, die die funktionelle Aktivität aller Organe weckt und in Gang hält. Es ist zusammen mit der Essenz die Grundlage von Vitalität und Ausdauer.

Nahrungs-Qi (guqi)

Es stellt die erste Stufe der Umwandlung von Nahrung in Qi dar und bildet die Basis für die Umwandlung in feinere Formen von Qi. Da es die Grundlage für die Produktion des ganzen Qi und des Blutes bildet, kommt der Menge und der Qualität der aufgenommenen Nahrung eine hohe Bedeutung zu.

Es folgen nun zwei Bespiele für die Funktion von der vitalen Substanz Qi:

Funktion von Qi: Umwandeln

Substanzhafte, dichte Formen von Materie wie Nahrung und Getränke benötigen die Kraft von Qi, um in feinere Materieformen umgewandelt zu werden. Beispielsweise wird Nahrung in oben erwähntes Nahrungs-Qi (guqi) umgewandelt.

Funktion von Qi: Schützen

Qi schützt den Körper vor dem Eindringen äußerer pathogener Faktoren. Dies ist primär eine Funktion einer anderen Qi Form, nämlich dem Abwehr-Qi (weiqi). Das Abwehr-Qi bewegt sich im Zwischenraum zwischen Haut und Muskeln, welcher die äußere energetische Schicht des Körpers darstellt. Die Stärke dessen trägt zur Immunabwehr bei.

Vitale Substanz: Blut (xue)

„Blut“ hat in der chinesischen Medizin eine andere Bedeutung als in der schulmedizinischen/westlichen Medizin. Es wird dort als eine Form des Qi betrachtet, die sehr dicht und materiell ist. Qi flößt dem Blut Leben ein, daher wäre das Blut ohne Qi eine träge Flüssigkeit.

Die Quelle des Blutes ist Großteils das Nahrungs-Qi (guqi), welches nach weiterer Umwandlung und Unterstützung durch das Ursprungs-Qi (yuanqi) mit Hilfe der Niere, die die Essenz speichert, welche das Mark erzeugt, im „Herzen“ in Blut umgewandelt wird.

Funktion von Blut: Befeuchten

Zu den Funktionen des Blutes zählt neben der Ernährung des Körpers auch die Befeuchtung. Das Blut gewährleistet, dass die Körpergewebe nicht austrocknen. So befeuchtet beispielsweise das Leber-Blut die Augen und Sehnen, sodass die Augen scharf sehen können und die Sehnen dehnbar und gesund sind.

Vitale Substanz: Körperflüssigkeiten (jinye)

Die Körperflüssigkeiten stammen aus der aufgenommen Nahrung und Getränken. Die Produktion davon ist das Ergebnis einer komplexen Abfolge von Reinigungsprozessen, wo in jedem Stadium die Flüssigkeiten weiter in einen reinen und unreinen Anteil aufgespalten werden. Die reinen kommen nach oben und die unreinen werden nach unten geleitet.

Qi transformiert und transportiert die Körperflüssigkeiten. Es hält aber auch die Flüssigkeiten im Körper. Bei einer Qi Schwäche kann es zB zu Harninkontinenz oder spontanem Schwitzen kommen.

Vitale Substanz: Geist (shen)

Der Geist ist die feinste und immateriellste Art von Qi. Eines der wichtigsten Charakteristika der chinesischen Medizin ist die enge Verflechtung von Körper und Geist. Der Geist bezieht seine Basis und seine Ernährung aus der Vorgeburtlichen Essenz, die in der Niere gespeichert ist, und der Nachgeburtlichen Essenz, die von Magen und Milz erzeugt wird. Wenn also Essenz und Qi stark sind, ist der Geist glücklich, ausgeglichen und rege. Der Zustand des Geistes beeinflusst aber auch Qi und Essenz. Wenn der Geist durch emotionalen Stress gestört wird und unglücklich, traurig oder ängstlich ist, wird dies meist zuerst das Qi und dann die Essenz angreifen.

Man sieht, dass alle vitalen Substanzen voneinander abhängig sind und Formen von Qi sind, jedoch mit unterschiedlichen Funktionen, deren Gesamtheit für Körper und Geist essentiell sind. Also was ist Qi? Vereinfacht gesagt: Qi ist Leben oder Lebensenergie! Oder noch treffender: Qi ist ALLES!