Ernährungslehre in der TCM

Ernährungslehre in der TCM

In unserer stressigen und schnelllebigen Zeit kommt oft eine gute und qualitativ hochwertige Ernährung zu kurz. Nach der traditionellen chinesischen Medizin ist die richtige Ernährung sogar eine der 4 Säulen der Therapie. Hier ein kleiner Einstieg in diese Thematik:

Die 5 Elemente

Die TCM Diätetik beruht auf den 5 Elementen: Feuer, Erde, Metall, Wasser, Holz. Diesen Elementen sind Funktionskreise, Geschmäcker und Lebensmittel zugeordnet.

  • Feuer: Funktionskreis Herz, Geschmack: bitter; z.B. Amaranth, Kurkuma, Artischocke, Weizen, Eigelb
  • Erde: Funktionskreis Milz, Geschmack: süß; z.B. Reis, Karotte, Dinkel, Kartoffel, Hirse, Fenchel
  • Metall: Funktionskreis Lunge, Geschmack: scharf; z.B. Mandel, Ingwer, Zimt, Birne, Radieschen, Hafer
  • Wasser: Funktionskreis Niere, Geschmack: salzig; z.B. Kastanie, Walnuss, Hülsenfrüchte, Weintrauben, Schrimps
  • Holz: Funktionskreis Leber, Geschmack: sauer; z.B. Huhn, Apfel, Sellerie, Spinat, Petersilie, Grünkern

Die 5 Geschmäcker

Jeder Geschmack hat eine eigene Wirkung auf den Körper. Hier eine kurze Auflistung:

Bitter

  • Verdauungsfördernd
  • Absenkend
  • Antitoxisch
  • Drainagierend
  • Tipp: Zu viel davon, nicht bei Lungenproblemen

Süß

  • Befeuchtend
  • Säfte und Qi aufbauend
  • Blut nährend
  • Wirkt entspannend
  • Tipp: Hier ist mit süß kein raffinierter Zucker gemeint, sondern der Geschmack der entsteht, wenn man z.B. Getreide lange kaut oder der im Obst natürlich vorkommende Zucker.

Scharf

  • Bewegt Qi und Blut
  • Öffnet die Poren
  • Schweißtreibend
  • Stagnationslösend
  • Tipp: Zu viel davon, nicht bei schwacher Konstitution.

Salzig

  • Löst auf, z.B. Knoten
  • Weicht auf
  • Gegen Verhärtungen
  • Abführend
  • Tipp: Zu viel davon, nicht bei Herz und Nierenproblemen.

Sauer

  • Bewahrt die Säfte
  • Zieht zusammen
  • Festigt die Substanz
  • Wirkt erfrischend
  • Tipp: Zu viel davon, nicht bei Schmerzen, Erkältungen und Übergewicht.

Temperaturverhalten

Alle Lebensmittel werden auch nach ihrem Temperaturverhalten eingeteilt und wirken dementsprechend im Körper.

Kalte Nahrungsmittel

  • Kühlen stark und vertreiben Hitze
  • Sollten nur sehr wenig konsumiert werden
  • z.B. Salz, Grüntee, Algen, Tomaten, Gurken, Spargel, Banane, Melone, Eiscreme

Erfrischende Nahrungsmittel

  • Bauen Säfte auf
  • sollten 13 der Nahrung ausmachen
  • z.B. Spinat, Weizen, Gerste, Couscous, Mungobohnen, Ente, Fisch, bittere Salate, Aubergine, Pilze, Apfel, Birne, Erdbeeren, Orange

Neutrale Nahrungsmittel

  • Harmonisieren und bauen Qi auf
  • 13 der Nahrung
  • z.B. Mais, Karotte, Kartoffel, Dinkel, Roggen, Amaranth, Hirse, Reis, Linsen, Sesam, Mandel, Haselnuss, Pute, Schwein, Forelle, Brombeere, Avocado, Mango, Feige, Feldsalat

Warme Nahrungsmittel

  • Unterstützen das Qi und wärmen
  • 13 der Nahrung
  • z.B. Zwiebel, Fenchel, Lauch, Pfirsich, Hafer, Quinoa, Kastanie, Walnuss, Pinienkerne, Rind, Huhn, Ziege, Thunfisch, Lachs, Kirsche, Marille, Kirsche, Himbeere, Fenchel, Koriander, Kardamom

Heiße Nahrungsmittel

  • Erhitzen den Körper und vertreiben Kälte
  • Sehr wenig konsumieren
  • z.B. Zimt, Chili, Alkohol, Hirsch, Knoblauch, Forelle, Pfeffer

Zu viele kalte oder kühle Nahrungsmittel schwächen den Verdauungstrakt und führen zu Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder Durchfall. In weiterer Folge kann es auch zu Erschöpfungszuständen, Müdigkeit und Kältegefühl kommen. Wärmende Nahrungsmittel oder auch „yangisierende“ Kochmethoden können Abhilfe schaffen. „Yangisierende“ Kochmethoden können die Nahrungsmittel jeweils eine Stufe erwärmen. Zu diesen zählen z.B. grillen, räuchern, braten, backen, frittieren, langes Kochen in Flüssigkeit, Kochen mit Alkohol.

Zu viele heiße Nahrungsmittel wirken austrocknend und verstopfen. Bei Hauterkrankungen, Allergien oder Migräne sollten diese vermieden werden. Ein Ausgleich kann hier durch „yinisierende“ Kochmethoden geschaffen werden. Dazu zählen z.B. dünsten, dämpfen, blanchieren, kurz mit viel Wasser kochen, Kochen mit Obst, Südfrüchten, Algen, Fruchtsäten, Beigabe von Sprossen, Kresse, grünes Gemüse, frische Kräuter.

Wirkrichtung

Die Wirkrichtung steht in enger Beziehung zum Geschmack.

Eine aufsteigende Wirkrichtung haben Nahrungsmittel, die das Yang nach oben bewegen. Meistens haben diese einen süß-scharfen Geschmack und sind meist warm/neutral. Diese Nahrungsmittel können einen gewissen Schutz im Frühling vor z.B. Kälte und Wind bieten.

Eine schwebende Wirkrichtung bewegt das Qi nach oben und außen. Sie haben einen scharfen Geschmack und zeigen ein starkes Temperaturverhalten. Beispiele sind Pfeffer, Zimt, Nelken.

Eine absteigende Wirkrichtung haben Nahrungsmittel mit mildem Geschmack und haben meist eine kühle bis neutrale Temperatur. Sie haben eine Schwere und führen nach unten und innen und binden, Beispiele sind Fette, Öle, Spinat.

Eine sinkende oder fallende Wirkrichtung sind meist kalte oder kühle Nahrungsmittel mit kräftigem Geschmack. Sie bewegen das Qi nach unten, wirken laxierend oder diuretisch. Sie haben eine reinigende Funktion in der Tiefe und vertreibe z.B. „Feuchte Hitze“.

Allgemeine Ernährungsempfehlung

  • Je nach Konstitution, nach aktuellem körperlichem Zustand und nach Jahreszeit sollte die Ernährung ausgewählt werden.
  • Auch die Organuhr rät morgens wie ein König, mittags wie ein Edelmann und abends wie ein Bettelmann zu essen.
  • Das Frühstück sollte bevorzugt ein warmes und gekochtes Getreidefrühstück sein, aber auch Suppen sind eine gute Alternative.
  • Vor 19 Uhr ein leicht verdauliches Abendessen konsumieren, ideal sind Suppen, Kompotte.
  • Keine eiskalten Getränke und wenig trinken während dem Essen.
  • Saisonales  und regionales Obst und Gemüse bevorzugen.
  • Sich beim Essen Zeit lassen und in angenehmer Atmosphäre sitzend essen.
  • Nicht zu viel und nicht zu wenig essen.
  • Vermeiden Sie ein Übermaß an Rohkost und Südfrüchten.

Da eine Ernährungsumstellung immer sehr schwer ist, sollten die Essgewohnheiten schrittweise in eine gesündere Richtung gelenkt werden! Zu viele Änderungen auf einmal, kann man oft nicht auf Dauer beibehalten. Daher ist es sinnvoll, sich einen Punkt vorzunehmen und erst wenn dieser gut funktioniert und in das tägliche Leben integriert ist, kann man sich ein neues Ziel setzen. So wird die Ernährungsumstellung auf Dauer funktionieren und Sie werden sich wohler und gesünder fühlen.